Gesundheit & Forschung

GantenLobgesang auf die Idee des Humanen
Anlässlich der »Wissenschaftsstadt Berlin 2021« sprach »BB« mit MDC-Gründer Prof. Dr. Detlev Ganten 
In diesem Jahr wären der Physiologe und Physiker Hermann von Helmholtz und der Arzt und Politiker Rudolf Virchow 200 Jahre alt geworden – beide sind 1821 geboren. Das feiert Berlin mit großem Aufwand vor dem Roten Rathaus unter der Überschrift »Wissenschaftsstadt Berlin 2021 - ich will’s wissen!« seit Juli bis Ende des Jahres. 
Der MDC-Gründer und Ex-Charité-Chef Prof. Detlev Ganten hat gemeinsam mit dem Wissenschaftshistoriker Prof. Ernst Peter Fischer ein Buch mit dem Titel »Die Idee des Humanen« geschrieben. Darin wird ein Bogen gespannt von der Doppelbiografie von Helmholtz‘ und Virchows über die Geschichte der Charité und der neuen Berliner Schule der Medizin bis hin zu den Erfordernissen der Zukunft. Ein Schwerpunkt war dabei der Wissenschafts-Standort Berlin-Buch. »BB  sprach mit Prof. Ganten.

»BB«: Was sehen Sie als die Idee des Humanen?
Prof. Detlev Ganten: »Ich halte dafür, dass das einzige Ziel der Wissenschaft darin besteht, die Bedingungen der menschlichen Existenz zu erleichtern«, lässt Bertolt Brecht seinen Galilei sagen. Das ist auch die Botschaft in unserem Buch »Die Idee des Humanen!«. Wissenschaftler können durch ihre Forschung den Menschen immer mehr Möglichkeiten eröffnen. 
Wäre es nicht wundervoll, wenn Deutschland mit seiner wechselvollen, nicht immer friedvollen Geschichte, seine Wissenschaft ganz an humanitären Grundsätzen orientierte?! Wir schlagen vor, Gesundheit als einen wesentlichen Kern der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu verstehen und zu einem Schwerpunkt deutscher Politik und human orientierter Wissenschaft zu machen. 
»BB«: Sie haben das MDC in Buch 1992 gegründet und die Berliner Medizin aus Ost und West in der neuen »Charité – Universitätsmedizin Berlin« mit vier Standorten in Steglitz, Wedding, Mitte und Buch im Jahre 2004 zusammengeführt. Haben sich der Forschungsstandort Buch und die Berliner Medizin so entwickelt, wie Sie es erhofft hatten? Wie sehen Sie Buchs Zukunft als Modell einer von der Idee des Humanen inspirierten Wissenschaftsstadt? Worin zeigt sich das bereits heute?
Prof. Ganten: Berlin ist wieder eine wichtige Wissenschaftsmetropole geworden mit großer Ausstrahlung in vielen Bereichen. Es entwickeln sich an den Standorten spezifische Schwerpunkte. Im globalen Gesundheitsbereich ist der World Health Summit eine sichtbare internationale Marke geworden. 
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch erforscht ganz im Sinne von Virchow die Grundlagen von Gesundheit und Krankheit. Dieses strategische Konzept ergänzt sich hervorragend mit der notwendigerweise an spezifischen Krankheiten orientierten Charité… 
Foto: Felix Petermann/MDC

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110 Mio Dollar für Bucher Start-up 
T-knife, eine Ausgründung von MDC und Charité, hat 110 Mio US-Dollar bei internationalen Investoren eingeworben. Das Berlin-Bucher Biotech-Unternehmen entwickelt neuartige Immuntherapien gegen Krebs: Es bringt den T- Zellen von Patient*innen bei, solide Tumoren zu erkennen und zu bekämpfen. 
T-Zellen überwachen unseren Körper und schützen ihn vor Krankheiten, z. B. durch Infektionen mit Viren. Befallene Zellen verraten sich durch virale Antigene, deren typische Merkmale sie auf ihrer Oberfläche präsentieren. Spürt eine T-Zelle ein Antigen mit Hilfe ihres Rezeptors auf, zerstört sie die befallene Zelle oder mobilisiert weitere Kräfte gegen sie. Auch bei Krebszellen sitzen spezielle Merkmale auf der Oberfläche. Das Problem ist: Das Immunsystem erkennt diese oft nicht als krankmachend und bekämpft die Zelle nicht. Das soll die T-Zell-Therapie ändern: Die Forschenden verändern die T-Zellen so, dass sie Krebszellen als Eindringlinge identifizieren können…

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