Geschichte

Cover PrieseKindheit in Karow (6)
Klaus Priese schrieb ein Buch über die Geschichte seiner Kindheit in Karow, Blankenburg und Buch. »BB« veröffentlicht in den nächsten Ausgaben einzelne Auszüge daraus. Heute: »Kein Krieg mehr«.
Meine Kindheit und die anschließende frühe Jugendzeit war eine wunderschöne Zeit für mich. In fast allen Biografien die ich gelesen habe, geschrieben von mehr oder weniger berühmten Zeitgenossen etwa meines Geburtsjahrganges (1944), kann man die gleiche Einschätzung finden. Das wichtigste war, es gab keinen Krieg. Keine Selbstverständlichkeit in dieser zerrissenen Umbruchszeit.

Mit den Folgen nach dem verheerenden 2. Weltkrieg, den Toten, Versehrten und Vermissten, den Vertriebenen, den Trümmern, mit der unendlichen Schuld, die Deutschland auf sich geladen hatte, musste man leben lernen. Die Verwerfungen im Nachkriegsdeutschland und insbesondere Berlins gingen einher mit einem Neustart in der Gesellschaft, im Osten radikaler, im Westen mehr der Weimarer Zeit verpflichtet. In dieser Spannungssituation wuchs ich auf. 
Karow und auch Buch und Blankenburg hatten nur geringe Kriegsschäden zu beklagen. Da und dort hatten Bomben ein Ziel gefunden und einige Häuser zerstört, aber das waren Ausnahmen. Bedauernswert war die Teilzerstörung der Bucher Kirche und der Orangerie im Schlosspark. Beide Gebäude hätten längst wiederaufgebaut sein können, denn die Zerstörungen waren nur partiell. 
Die Bomben auf Karow waren wohl vor allem Brandbomben, die aber nicht systematisch abgeworfen wurden, sondern vielleicht Restbestände der Flugzeuge waren, die man über dem Berliner Stadtzentrum nicht mehr geschafft hatte auszuklinken. Beim Umgraben im Garten unseres Hauses in der Karower Straße 49 haben wir bis Mitte der 1950er Jahre mehrere ausgebrannte Brandbomben in der Erde gefunden. Die hatten keinen Schaden angerichtet. Anders verlief ein Luftangriff, als ich noch nicht auf der Welt war. Bei einem Luftalarm im Jahr 1943 schlief meine Schwester fest auf der Wohnzimmercouch und meine Eltern wollten sie eigentlich nicht wecken. Aber dann weckten sie sie doch und suchten den Keller auf, der als Luftschutzkeller diente. Glücklicherweise – denn eine Brandbombe durchschlug das Dach des Hauses und traf genau die Couch, auf der meine Schwester geschlafen hatte. Den reparierten und neu verputzten Einschlagspunkt der Bombe sah man noch viele Jahre. Immer wenn ich auf der neuen Couch lag und an die Decke sah, musste ich an die Bombe denken.…                

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