Geschichte

Ein Viertel Liter Milch für 5 Tage
Das Krankensammellager Blankenfelde-Nord (Teil 1)
Zwangsarbeit in Buch im Zweiten Weltkrieg wurde schon wiederholt im »Bucher Boten« beleuchtet. Die vielen Aspekte der Zwangsarbeit in Berlin und speziell im Bezirk Pankow sind noch lange nicht erforscht. Erst kürzlich fanden sich im Freiburger Militärarchiv zahlreiche Dokumente, die vielleicht demnächst auch hier vorgestellt werden.
Pankow hatte aber auch ein Lager, das im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher eine Rolle spielte: das Krankensammellager Blankenfelde-Nord. An der Straße zwischen Lübars und dem Ortsteil Blankenfelde findet sich südlich der Bahnhofstraße ein markantes spitzwinkliges Dreieck, eingerahmt vom Mauerweg und dem Alten Bernauer Heerweg. Dort stand von 1941 bis 1945 auf einem Rieselfeld ein Barackenlager. Es hatte während des Krieges unterschiedliche Funktionen:
* In dem neu gebauten und im Mai 1941 in Betrieb genommenen Barackenlager sollten 700 Kriegsgefangene unterkommen, die für die Reichsbahn arbeiten sollten.

* Am Tag des Überfalls auf die Sowjetunion, am 22. Juni 1941, wurden sämtliche Sowjetbürger, die sich auf dem Boden des Deutschen Reichs aufhielten interniert: Händler, Matrosen etc. In Stettin und Danzig beispielsweise lagen etliche Handelsschiffe vor Anker. Die Besatzung – Seeleute mit ihren Familien – wurden von der Gestapo in Blankenfelde-Nord festgehalten. Nach einer Woche wurden die Männer in das bayerische Interniertenlager Wülzburg verbracht, das Schicksal der Frauen und Kinder ist noch nicht erforscht. Später brachte die Hamburger Gestapo nochmals über 200 Zivilinternierte nach Blankenfelde-Nord – sie blieben bis zum Herbst 1941.
* In den folgenden fünf Monaten diente das Lager als Ausgangsbasis für den »Osteinsatz«.
* Von Mitte März bis Mitte Juli 1942 vermietete die Reichsbahn das Lager an das Landesarbeitsamt. Dies nutzte Blankenfelde-Nord als Durchgangslager: Fast 90.000 russische und ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten wurden in den vier Monaten hier durchgeschleust auf dem Weg zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich.
* Mitte 1942 wurde Blankenfelde-Nord ein Sammellager für schwerstkranke und nicht mehr einsatzfähige Arbeitskräfte aus der Sowjetunion, die wieder in ihre Heimat abgeschoben werden sollten. …

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