Geschichte

Autor Walter SegerDie jüdischen Bewohner von Zepernick
Buchvorstellung in der Aula der Zepernicker Grundschule mit Zeitzeugen
Spätestens am 9. November 1938, der sogenannten Reichskristallnacht, brachen alle Dämme. An jenem Tag kehrten auch Zepernicker Bürger aus niedersten Beweggründen ihre schlechtesten Seiten nach außen. Dokumentiert sind zahlreiche Überfälle, Hausratzerstörungen und nicht nur angedrohte Prügelattacken gegen jüdische Nachbarn.
Wie konnte das geschehen. Das Thema ruft noch immer Beklemmung hervor, es wurde Jahrzehnte geschwiegen; aus Angst, Verdrängung, Schuld und Selbstbild-Erhalt. Für den Zepernicker Ortschronisten Dr. Rolf Gerlach, der nach der Wende nach Spuren jüdischen Lebens in Zepernick suchte, war es ein mühseliges Unterfangen, Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen zusammenzutragen.

»Aber selbst den raren ‘gutwilligen’ Zeugen war beim Erzählen die belegte Zunge anzumerken«, hatte er berichtet. Schweigende Scheu lastete (und lastet noch immer) wie ein Deckel auf dem Thema. Aber Rolf Gerlach konnte ihn ein Stück weit anheben, stieß u. a. auf die jüdischen Familien Löwenthal, Meitner-Rakitin, Benning, Seelig oder Strauß und ihre Geschichten von Beschimpfung, Verrat, Deportation, Tod und Emigration.
Seine Vorarbeiten nutzte im Jahre 2006 der Zepernicker Martin Jehle. Der Jurist  und Journalist initiierte vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Löwenthal in der Poststraße eine Stolpersteinverlegung und nahm Kontakt zu Überlebenden und Nachkommen jüdischer Familien in Übersee auf.
Später kommt ein dritter Akteur hinzu – der Publizist  Walter Seger aus Klosterfelde, der sich seit Jahren regionaler Geschichte zuwendet. »Nur lebendige Erinnerung schützt vor Wiederholung«, ist er überzeugt. In Zusammenarbeit mit dem Zepernicker Geschichtsverein Heimathaus e. V. schrieb er das Buch »Die jüdischen Bewohner in Zepernick 1933– 1945«, das Ende vergangenen Jahres. Die Publikation wurde am 12. November in der Aula der Grundschule Zepernick der Öffentlichkeit vorgestellt…

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Cover KindheitKarow-Süd in den 1950er Jahren
Klaus Priese schrieb ein Buch über die Geschichte seiner Kindheit in Karow, Blankenburg und Buch
Klaus Priese hat die Corona-Zeit genutzt und die Erinnerungen an seine Kindheit in Karow niedergeschrieben. Und als er einmal dabei war, füllten sich Seiten um Seiten. »Was soll ein Mensch wie ich schon mitzuteilen haben, auch wenn man viele Jahre angesammelt hat und natürlich das eine oder andere erlebt hat«, stellt er in seinem Vorwort die rhetorische Frage. Um es vorwegzunehmen. Klaus Priese, der im Sommer 1944 in Pommern geboren wurde, in Karow-Süd aufwuchs und seit 1979 in Buch lebt, hat so einiges mitzuteilen. Die persönlichen Rückblicke eröffnen ein Fenster in die Welt vor etwa 70 Jahren. Da wird einem Karow-Süd mit seinen Bewohnern, seinen  Straßen, Häusern, verschiedenen Geschäften und  den Ecken und Kanten so anschaulich und plastisch geschildert, dass man im Kleinen (dem dörflichen Karow) auch das große Zeitgschichtliche miterzählt bekommt und mittenhinein in die Welt eines Heranwachsenden gerät, die auch eigene Kindheitsgeschichten wach werden lässt. 

Klaus Priese blickt nüchtern auf sein Leben. »Alles verlief durchschnittlich, wie tausende andere Lebensgeschichten auch. Von großen Leistungen für die    Allgemeinheit, von wichtigen Begegnungen mit hochprominenten Zeitgenossen, gesellschaftsverändernden Er- kenntnissen oder einem weiten Bekanntheitsgrad kann bei mir nicht die Rede sein«. Und dennoch lohne das Lesen seines Buch, hofft der 77-Jährige. 

Zum einen werden sich Angehörige, manche Freunde und Bekannte wiederfinden. »Die Zeit meiner Kindheit und Jugend vom Ende des 2. Weltkrieges bis kurz vor dem Mauerbau ist eine interessante Zeit, wenn auch die materiellen Lebensumstände verglichen mit heutigen Gegebenheiten karg waren und sich nur Schritt um Schritt verbesserten. Als Kind hat man eine eigene Sicht auf die Dinge und die Welt, die man begreifen wollte, war unendlich groß, vielfältig und spannend«, sagt Klaus Priese. Er wolle vor allem den Jüngeren seine Sicht auf die damalige Zeit im Osten Deutschlands näherbringen. »Manche meiner Lebensbegleiter hat der Tod schon abberufen, ich hätte heute so viele Fragen an sie. Was einmal aufgeschrieben ist, bleibt und Jüngere können mit ihren Fragen Antworten finden. Mein Appell an die jungen Leute – fragt die Älteren, solange es noch möglich ist.«…                

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