Geschichte

Kindheit in Karow in den 1950er Jahren
Klaus Priese schrieb ein Buch über die Geschichte seiner Kindheit in Karow, Blankenburg und Buch.
»BB« veröffentlicht in den nächsten Ausgaben einzelne Auszüge daraus.
Heute: 
Kinderspiele
Die Winter, die damals oftmals noch kalt und schneereich waren, haben wir viel auf der Straße verbracht. Neben dem Rodeln am Bahndamm und dem Eisfahren auf der Laake war eine Lieblingsbeschäftigung, nach frisch gefallenem Schnee mit dem Schlitten Spuren zu markieren und in diesen Spuren mit dem Schlitten Eisenbahn zu spielen. Kein Auto störte unsere Spuranlagen. Eine andere beliebte Tätigkeit war bei nassem Schnee, Schneeburgen zu bauen. Es fing eigentlich immer mit dem Bau eines Schneemannes an. War der fertig, wurde ein zweiter gebaut und das stellte schon die Basis der Schneeburg dar, in die die Schneemänner eingebaut wurden. Meist fehlte irgendwann die Lust am Weiterbau und eine Schneeballschlacht beendete die Anstrengung. Danach ging es nach Hause an den warmen Ofen, die Sachen konnten trocknen und mit einer Tasse heißem Pfefferminztee und einem Buch wärmte man sich wieder auf.

Ein weiterer Ort, den wir immer wieder in Karow aufsuchten, war der Teichberg, mit 63 m über dem Meeresspiegel die höchste Stelle von Karow. Aber nicht dem Berg, sondern dem kleinen Teich und der dort befindlichen Bunkerruine galt unser Interesse. Im Teich konnte man Stichlinge und Molche fangen und im Winter auf dem Eis herumtollen.

Interessante Bunkerruine
Noch interessanter war die Bunkerruine. Karow besaß im 2. Weltkrieg zwei Bunker, einen am Dorfausgang in Richtung Buch auf der rechten Seite und den am Teichberg. Beide waren nach Kriegsende gesprengt worden und die Trümmer sind erst in den 1960er Jahren beseitigt worden. Teilweise wurden die Trümmer zur Straßenbefestigung verwendet. Zum Dorfbunker kann ich nichts sagen, den habe ich nur im Vorüberfahren gesehen. Der Teichbergbunker diente den Leuten als Deponie für Sperrmüll, eine Müllabfuhr gab es damals in dieser Gegend von Karow nicht. Was haben wir nicht alles dort gefunden. Spitzenstück war ein kompletter und gut erhaltener Säbel mit Scheide aus der Kaiserzeit, den Siegfried Bathke dort fand, und, wie ich bei den Recherchen zu diesem Buch erst erfahren habe, in Westberlin für gutes Geld verkaufte. Ich selber fand dort einen franzö- sischen Soldatenhelm aus dem 1. Weltkrieg, ein belgisches Gewehr ohne Kolben, eine intakte Porzellanfigur und andere Kleinigkeiten, die für Kinder von Interesse waren. Ich habe versucht, für das Gewehr einen Kolben zu basteln, aber dazu reichte mein handwerkliches Geschick nicht aus. Außerdem musste man mit dem Ding immer heimlich hantieren, denn der Besitz von Waffen war streng verboten und mein Vater hätte das Ding sofort konfisziert. Ich habe das Stück dann eintauschen können…

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