Geschichte

Anne FrankAnne-Frank-Botschafterinnen feierten
Junge Leute gehen auf den Spuren des berühmten jüdischen Mädchens
Anne Frank wäre in diesem Juni 90 Jahre alt geworden. Sie starb als 15-Jährige, völlig entkräftet und typhuskrank, im Februar (oder März) 1945 im KZ Bergen-Belsen.
Aber sie lebt fort als weltweit meist gelesene Tagebuchschreiberin, die vom alltäglichen nationalsozialistischen Terror berichtete, von den Demütigungen, die die entrechteten Juden ertragen mussten. Anne Frank, die mit ihrer Familie zwei Jahren lang versteckt in einem Amsterdamer Hinterhaus lebte, verlor dennoch nicht den Glauben an ein besseres Leben, ihr Tagebuch zeugt von Sehnsucht nach Freiheit und Teenagerträumen.

Am 5.4.1944 notiert sie: »O ja, ich will nicht umsonst gelebt haben wie die meisten Menschen. Ich will den Menschen, die um mich herum leben und mich doch nicht kennen, Freude und Nutzen bringen. Ich will fortleben, auch nach meinem Tod.«
Es ist ihr gelungen. Das Tagebuch wurde in mehr als 60 Sprachen übersetzt. In der ganzen Welt kennt man Anne Frank. Und auch in Berlin-Buch ist sie seit zwei Jahren Teil einer Mädchen-Wohngruppe des Vereins Kindeswohl Berlin e. V. in einem der Elfgeschosser an der Bruno-Apitz-Straße (siehe auch »BB« 9/2017). In den vergangenen Jahren begaben sich die zwischen 13 und 18 Jahre alten Mädchen und ein Junge gemeinsam mit ihrer engagierten Gruppenbetreuerin Karen Kraatz auf die Spuren des jüdischen Mädchens. Inzwischen sind sie dokumentierte Anne-Frank-Botschafter geworden: im September 2018 erhielten sie die Ernennungsurkunden vom Direktor des Anne-Frank- Zentrums und der Bundesministerin Katarina Barley in der niederländischen Botschaft.
Anne Franks 90. Geburtstag sollte groß gefeiert werden. Am 18. Juni lud deshalb die Geschäftsstelle des Vereins in der Zepernicker Straße zum festlichen Empfang und einer Ausstellung über das langjährige Projekt ein.
»Sie lebt in uns weiter und gibt die Kraft, uns gegen Antisemitismus und für Demokratie zu engagieren«, sagen die Mädchen. Die 18-jährige Chayenne liest einen Brief an Anne vor, den die Wohngemeinschaft geschrieben hat…

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Heinz GuenzlaffDer doppelte Heinz Gützlaff
Vater einer Panketalerin wurde als »Gerechter unter den Völkern« geehrt
Ein Gerechter unter den Völkern«, das ist eine Auszeichnung, die die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem an Personen vergibt, die während der Nazizeit Juden geholfen haben, dem grausamen Tod in Konzentrationslagern zu entkommen.
Die Hürden für so eine Ehrung sind hoch. Die vier Hauptkriterien für eine Anerkennung sind: 1. es muss eine konkrete und sicher bezeugte Rettungsaktion für Juden oder Teilnahme an einer solchen nachgewiesen sein; 2. dabei muss nachweislich ein persönliches Risiko eingegangen worden sein; 3. es darf keine Gegenleistung für die gewährte Hilfeleistung gegeben haben; 4. der Geehrte muss nichtjüdischer Abstammung sein.
Mein Vater, Heinz Gützlaff, geb.1905, gestorben 1961, hat diese Auszeichnung posthum 2018 bekommen. Wie kam es dazu?
Meine, wie es damals hieß, »halbjüdische« Mutter (Nürnberger Rassengesetze) musste 1940/41 bei Siemens Zwangsarbeit leisten. Dabei verletzte sie sich am Knie und ging damit zu einem Orthopäden. Das war Dr. Kurt Hirschfeld, ein jüdischer Arzt. Er behandelte das Knie. Meine Mutter offenbarte ihm jedoch noch ihre größere Sorge. Sie war schwanger von ihrem arischen Freund Heinz Gützlaff und das war ja damals »Rassenschande«. Und was sagt doch dieser wunderbare Arzt zu ihr: »Wenn Sie bei der Geburt einen Vater angeben müssen, dann nennen Sie mich«. Daraus ist eine Freundschaft zwischen meiner Mutter und Heinz Gützlaff, meinem Vater, und Kurt Hirschfeld entstanden.
Dieser jüdische Arzt hat rechtzeitig erfahren, dass seine Deportation in den Osten geplant war. So ging er am 18. November 1942 in den Untergrund.
Im Zuge der Freundschaft hat mein Vater seine Kennkarte und seine Wehrmachtspapiere Kurt Hirschfeld gegeben, sie dann als verlustig gemeldet und neue bekommen.
Dann hatte der selbst im Untergrund lebende, jüdische Passfälscher Cioma Schönhaus das Dokument mit dem Foto von Hirschfeld versehen und die Kennkarte wieder originalgetreu aussehen lassen…
So gelang es Hirschfeld als Heinz Gützlaff, der ja »Arier« war, zu überleben. Es gab jedoch in Berlin nun zweimal einen »Heinz Gützlaff«. Sie mussten aufpassen, nicht zusammen kontrolliert zu werden. Das wäre eine Katastrophe geworden. Sie haben beide ihr Leben riskiert…

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