Geschichte

Einweihung»Ihr Mut unsere Hoffnung«
Gedenkstele erinnert an zehn mutige Bucher Retter des Arztes Dr. Schönebeck
Herbst 1943. In der Kolonie Buch passiert Außergewöhnliches. Im Viereckweg 26, auf dem Wohn- und Werkstattgrundstück von Rudolf und Minna Siegert, wird ein Mensch versteckt. Es ist ihr Nachbar Dr. Walter Schönebeck, der als Arzt in den Bucher Krankenanstalten gearbeitet hatte, bis er 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft aus dem Dienst entlassen wurde. Dem 60-Jährigen drohen Deportation und Tod. Da beschließen die Nachbarn, sich ein Herz zu fassen. Eine Jauchegrube wird trockengelegt und ausgebaut. Walter Schönebeck verbringt darin anderthalb Jahre, wartend, hoffend, lesend und schreibend – beschützt und versorgt von zehn couragierten Männern, Frauen und einem Kind. Sie alle riskierten mit dieser mutigen Tat auch ihr eigenes Leben.
Neben Rudolf und Minna Siegert gehörte auch die Schwester der Minna zu den Helfern.

SteleErna Grundmann hieß sie, eine Kriegerwitwe und Mutter einer kleinen Tochter – Inge. Dem Mädchen war die Bewachung des Hofes übertragen, näherten sich Besucher, musste sie einen Ball auf die Abdeckung des Versteckes werfen und Walter Schönebeck schloss den schmalen Lüftungsschlitz.
Helfer und Unterstützer waren Elisabeth Ströhmann, eine weitere Verwandte der Siegerts, aber auch der Arzt Rudolf von Gruner sowie der Lehrer und spätere Rektor der Bucher Schule, Gustav Adolf Ehrhardt, und die Lehrerin Emmi Haacke. Durch ein ärztliches Attest wurde die kleine Inge vom Unterricht befreit und von Emmi Haacke zu Hause unterrichtet.
Auch zwei französische Kriegsgefangene, die als Arbeiter in der Firma Siegert beschäftigt waren, wurden zu solidarischen und unterstützenden Mitwissern. Ihre Namen sind nicht überliefert, lediglich die Vornamen: beide hießen Paul.
Am 21. April 1945 konnte Dr. Walter Schönebeck sein Versteck verlassen, umgehend meldete sich der hochgeachtete Arzt zum Dienst zurück…
Jahre später stößt die Bucherin Rosemarie Pumb, die seit vielen Jahren zu den Themen »Euthanasie« und Zwangsarbeit in Buch forscht, auf die Rettungsgeschichte…

Ausführlicher in unserer Printausgabe

Lesen Sie außerdem den Beitrag von Rosemarie Pumb aus der Mai-Ausgabe 2010 über die Bucher Retter.