Geschichte

Mädels FrankAuf Anne Franks Spuren
Mädchenwohngruppe aus Buch reist mit einem Koffer nach Amsterdam
Koffer spielen eine besondere Rolle im Leben der sechs Mädchen, die seit einigen Jahren in einer WG zusammen leben, die vom Verein Kindeswohl-Berlin e. V. betrieben wird. Sie sind zwischen 10 und 16 Jahre alt; jede von ihnen hat ein eigenes Zimmer in der großen Wohnung im Bucher Elfgeschosser. Und es gibt Gemeinschaftsräume – zum Essen, Quatschen, Fernsehgucken.

Keine Frage, es ist wohnlich hier; an den Wänden hängen Fotos, Zettel, Bilder und gleich im Flur stehen auf einem Regal sechs Koffer. Es sind die ganz privaten Schatz-kisten der Mädchen. »Dort kommen sehr persönliche Dinge hinein – wichtige Andenken, Fotos, Briefe –, die von ihrem Leben erzählen«, erklärt Erzieherin Karen Kraatz. Sie ist für die Heranwachsenden, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei ihren Herkunftsfamilien leben, viel mehr als eine bloße Betreuerin.
Koffer FrankAuch einen siebenten Koffer gibt es im Haushalt der Wohngruppe, den haben die Bewohnerinnen gemeinsam gepackt.  Er ist deutlich in die Jahre gekommen und steht in einer Ecke des Gemeinschaftsraums, der aussieht, als sei er zum Museum mutiert. Diesen Geschichtsort gibt es noch nicht lange. Genau genommen begann alles im März dieses Jahres. Drei der Mädchen kamen mit einem Namen nach Hause, über den in der Schule geredet worden war: Anne Frank. Sie wollten mehr über das jüdische Mädchen wissen, das zwei Jahre lang mit seiner Familie und anderen Juden versteckt in einem Amsterdamer Hinterhaus lebte, um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen… Und so nahm die Geschichte ihren Lauf, sie veränderte nicht nur das Aussehen des Wohngruppenzimmers, sie bestimmte auch den Alltag der Mädchen und wurde immer größer. Teamleiterin Karen Kraatz spricht vom »Projekt Anne Frank«. »Wir hatten auch in der Vergangenheit schon viele Aktionen – sind auf dem Rennsteig gewandert, gesegelt, haben ein Zeitungsvorhaben umgesetzt… Das Thema Anne Frank aber, das ist besonders intensiv.« …

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Arabischer »Schindler« versteckte in Buch eine Jüdin
Eine ganz besondere Veranstaltung steht auf dem Programm des evangelischen Gemeindehauses Buch, Alt-Buch 36a. Am Freitag, dem 8. September, um 18 Uhr gibt es eine Lesung und ein Gespräch mit Igal Avidan, der aus seinem Buch: »Mod Helmy – Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete« liest. Es ist die wahre Geschichte des »arabischen Schindler«, der auch in Berlin-Buch der Nazizeit eine junge Jüdin versteckte.
Die meisten Menschen in Nazi-Deutschland hatten gleichgültig auf die Judenverfolgung reagiert, viele nahmen aktiv daran teil. Nur 600 von ihnen wurden von Yad Vashem als Judenretter geehrt und ein einziger war ein Araber. Der Arzt Mod (Mohamed) Helmy wurde von den Nationalsozialisten als »Nichtarier« diskriminiert und als Ägypter inhaftiert. Trotzdem half er jahrelang einer jüdischen Familie, sich vor der Gestapo zu verstecken.
Igal Avidan fand Helmys ehemalige Patienten, besuchte seine Verstecke und zeichnet seine einzigartige Geschichte nach…

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